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Grüne Wasseragame

Haltung / Anspruch

Die grüne Wasseragame ist bei Anfängern und Terraristikprofis gleichermaßen beliebt. Wenn ausreichend Platz und ein entsprechendes technisches Equipment zur Verfügung steht, sind diese Agamen sehr leicht zu haltende Tiere. Bei artgerechter Unterbringung und Pflege gelingen Nachzuchten meist auch Einsteigern ohne Probleme.

Herkunft

Grüne Wasseragamen leben in der freien Natur bevorzugt in subtropischen Regenwäldern. Auf dem südostasiatischen Festland sind sie weit verbreitet. Man findet Physignathus cocincinus z. B. im Norden Thailands, in Vietnam, Kambodscha und Laos - und zwar meistens in der Ufervegetation von Flüssen, Bächen oder Teichen.In den immergrünen Tieflandregenwäldern herrschen Temperaturen von 25 bis 27°C mit kaum jahreszeitlichen Schwankungen und es fällt mindestens 1,80 Meter Regen pro Jahr. Die Luftfeuchtigkeit liegt im Tagesdurchschnitt bei 80%. Das Klima im natürlichen Lebensraum der grünen Wasseragamen lässt sich somit als feucht und warm beschreiben. In den Tropen fällt die Durchschnittstemperatur selbst im kältesten Monat selten unter 18°C. Die Sonneneinstrahlung ist weitestgehend konstant hoch und hat eine enorme Verdunstungskraft. Da die Sonne fast senkrecht am Himmel auf bzw. untergeht, sind zudem die Dämmerungsphasen im Regenwald nur sehr kurz.

Schutzstatus

Grüne Wasseragamen unterliegen in Deutschland keinem besonderen Schutzstatus. Sie sind nicht artgeschützt, keine bedrohte Tierart und auch nicht gefährlich. Man braucht somit weder Herkunftsbescheinigungen noch muss man die Haltung der Tiere irgendeiner Behörde melden.Dennoch ist natürlich das Tierschutzgesetzt für jeden Halter bindend. Dieses besagt in Kurzform, dass ein Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernährt, gepflegt und untergebracht werden muss. Dabei darf die Möglichkeit des Tieres zu artgerechter Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder sonstige Schäden zugefügt werden. Jeder Tierhalter muss außerdem über Kenntnisse und Fähigkeiten für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung der Tiere verfüge

Allgemeines über grüne Wasseragamen

Physignathus cocincinus sind baumbewohnende Echsen, die aber auch oft am Boden anzutreffen sind. Sie lieben das Wasser und verfügen über sehr gute Schwimm- und Tauchkünste. Bei Gefahr stürzen sie sich ins Wasser und verharren bis zu 2 Stunden regungslos unter der Wasseroberfläche. Außerdem legen Wasseragamen dort auch bevorzugt ihren Kot ab.Aufgrund des ausgeprägten Revierverhaltens können 2 Männchen keinesfalls zusammen gehalten werden. Es würden umgehend heftige Kämpfe beginnen - schlimmstenfalls aufgrund fehlender Fluchtmöglichkeiten bis zum Tod des schwächeren Tieres. Eine paarweise Haltung kann ebenfalls zu Problemen führen, da das Weibchen durch die ständigen Paarungsversuche des Männchens schnell unter übermäßigem Stress leidet, was auf Dauer zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Die Gruppenhaltung eines Männchens mit mehreren Weibchen ist jedoch problemlos möglich und der Paarungsdruck so besser verteilt.

Vor der Anschaffung eines solchen Tieres sollte man aber bedenken, dass neben dem großen Platzbedarf jahrelange Pflege auf einen zukommt. Das Terrarium muss je nach Jahreszeit mehrfach täglich ausgiebig beregnet werden, man muss füttern, Wasserschalen säubern, Essensreste und den Kot aus dem Terrarium samt Wasserteil entfernen – um nur einige Aufgaben zu nennen. Es muss immer eine fachkundige Urlaubspflege gewährleistet sein - und das im besten Fall über viele Jahre. Denn grüne Wasseragamen können bei artgerechter Haltung und guter Ernährung durchaus ein Alter von 15 bis 20 Jahren erreichen!

Terrarium / Einrichtung

Für Wasseragamen wird die optimale Terrariengröße stets heiss diskutiert, da in diesem Fall für eine artgerechte Haltung ausgewachsener Tiere die 1997 in den "Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien" aufgestellte Formel keinesfalls ausreicht.Das Terrarium sollte für eine adulte Gruppe die Maße 200 x 100 x 200 cm nicht deutlich unterschreiten. Jedoch gilt auch hier: je größer das Terrarium, desto mehr natürliche Verhaltensweisen können die Tiere zeigen. Neben zahlreichen Klettermöglichkeiten sollte das Becken auch eine üppige Bepflanzung bieten. Dabei kann zwar auch auf künstliche Pflanzen zurückgegriffen werden, durch den Einsatz von echten Pflanzen kann der natürliche Lebensraum von Physignathus cocincinus jedoch besser simuliert werden. Sie bieten den Tieren viele weitere Kletter- und Versteckmöglichkeiten, eine schöne Optik und tragen zudem zum tropischen Klima im Terrarium bei. Sehr gut geeignet ist der Ficus, tropische Palmen, die Efeu-Tute sowie verschiedene Farne, Sukkulenten, Bromelien oder Tillandsien. Bitte aber darauf achten, dass die gewählten Pflanzen keinerlei Dünger oder sonstige Schadstoffe enthalten. Die Blätter am besten vor dem Einsatz mehrfach gut abduschen.Die Durchmesser der Äste im Terrarium sollten mindestens dem Körperumfang der Agame entsprechen. Am besten eignen sich dicke Korkäste, Weinreben oder Regenwaldlianen, die sowohl senkrecht als auch waagerecht angebracht und gut im Terrarium verankert sein sollten.

Grüne Wasseragamen leben in der Natur fast immer in der unmittelbaren Nähe von Gewässern. Man sollte den Tieren daher auch im Terrarium einen Wasserteil (Paludarium) oder zumindest eine sehr große Wasserschale bieten.

Sofern echte Steine oder Felsen in das Terrarium eingebracht werden, sollte man darauf achten, dass diese keine scharfen Ecken und Kanten haben und zudem gut verankert sind. Felsaufbauten immer befestigen und auch sicherstellen, dass sie nicht untergraben werden können! Ungeeignet ist Loch- oder Lawa-Gestein, da die Tiere mit ihren Krallen in den Löchern stecken bleiben können. Außerdem bieten solche Steine den Futterinsekten ideale Versteckmöglichkeiten, was gerade bei der Verfütterung von Heimchen oder Grillen nachts einen enormen Geräuschpegel zur Folge haben kann…

Durch Verkleidung der Rück- und Seitenwände des Terrariums (z. B. grobe Felsstruktur, Xaxim- oder Korkrückwand) kann die Aktionsfläche der Tiere weiter erhöht werden - Wasseragamen sind ausgezeichnete Kletterer.

Als Bodengrund kann man unbehandelte Blumenerde (Terrarienerde), ein Gemisch aus Sand, Torf und Erde oder feuchtes Kokoseinstreu verwenden. Wichtig ist, dass das Substrat die Feuchtigkeit gut speichert. Stellenweise kann man auch etwas Kies in das Becken einbringen.Mehrere Thermometer runden die Einrichtung des artgerecht eingerichteten Terrariums ab. Am besten platziert man je ein Messinstrument an der wärmsten sowie an der kühlsten Stelle, sowie direkt unter dem Wärmespot. So hat man Kontrolle über alle nötigen Temperaturzonen. Ein Hygrometer dient zur Kontrolle über die Luftfeuchtigkeitswerte.

Beleuchtung / Klima

In der Terrarienhaltung sind drei Facetten des Sonnenlichtes von Bedeutung: sichtbares Licht, infrarotes Licht und ultraviolettes Licht. Das „richtige“ Licht ist also leider nicht mittels einer einzelnen Lampe herzustellen. Denn vereinfacht gesagt, sollte es ausreichend Wärme, Helligkeit und dass richtige Spektrum bieten.

Grundbeleuchtung

Physignathus cocincinus bewohnt die tropischen Regenwälder und ist daher weniger auf Helligkeit und Strahlungswärme angewiesen als andere Agamen. Als Grundbeleuchtung für das Terrarium empfehlen wir aufgrund der Größe des Beckens dennoch die Verwendung eines HQI-Strahlers. Dieser sorgt bei vergleichsweise niedrigem Energieverbrauch für eine gute Ausleuchtung.

UV-Beleuchtung

Um ihren Vitamin D3 Haushalt zu regulieren und Kalzium für den Knochenaufbau zu bilden, wird von den Tieren UV-B Strahlung benötigt. Insbesondere in den Wachstumsphasen - also bei der Aufzucht von Jungtieren - ist regelmäßige UV-Strahlung unbedingt notwendig. Futterzusätze alleine reichen nicht aus und können allenfalls als sinnvolle Ergänzung gesehen werden. Um Mangelerscheinungen oder Knochendeformierungen wie Rachitis zu vermeiden, muss jungen grünen Wasseragamen ausreichende UV-B Strahlung (z. B. in Form eines UVB-Flächenstrahlers) zur Verfügung gestellt werden.Bei ausgewachsenen Tieren ist - eine richtige und regelmäßig angereicherte Ernährung vorausgesetzt - keine UV-Strahlung mehr nötig. In den subtropischen Regenwäldern Südchinas durchdringt nur ein Bruchteil der natürlichen Sonneneinstrahlung die dichte Vegetation. Mäßige UV-Strahlung schadet aber keinesfalls und kann z. B. in Form einer Leuchtstoffröhre für tropische Tierarten zur Verfügung gestellt werden. Durch die UV-A Anteile gedeihen dann auch die Pflanzen besser. Die UV-Ausbeute lässt bei Leuchtstoffröhren allerdings mit der Zeit nach so dass diese mehrmals im Jahr ausgetauscht werden müssen.

Lokale Sonnenplätze

Wie alle Reptilien sind auch die grünen Wasseragamen aufgrund ihrer Anatomie und ihres Stoffwechsels wechselwarme Lebewesen. Sie sind also nicht in der Lage, ihre Körpertemperatur durch Nahrungsverbrennung selbstständig aufrecht zu erhalten sondern regulieren diese durch die Umgebungstemperatur. Neben der Grundbeleuchtung sollte das Terrarium daher außerdem mit einem Wärmespot (pro Tier) ausgestattet sein, welcher lokale Temperaturen von bis zu 40°C erzeugt und den die Tiere nach Bedarf aufsuchen bzw. meiden können.Insgesamt sollte das Terrarium verschiedene Temperaturzonen von ca. 25 bis 30°C bieten. Die Nachttemperaturen liegen idealerweise zwischen 20 und 22°C. Um einen regelmäßigen Tagesablauf zu erzeugen, steuert man die Beleuchtung am besten automatisch über eine Zeitschaltuhr (Beleuchtungsdauer etwa 12 Stunden täglich). Da in den Tropen die Dämmerungsphasen nur sehr kurz sind, brauchen Sonnenauf- und Sonnenuntergang nicht künstlich simuliert werden.

 

Luftfeuchtigkeit

Von besonderer Bedeutung ist außerdem die Luftfeuchtigkeit. Um permanent die nötigen Werte von 70 bis 100% zu halten, kann ein Ultraschall-Luftbefeuchter eingesetzt werden. Allerdings erzeugen diese Geräte lediglich dichten Nebel, ausgiebige Regenfälle mit Tropfenbildung können damit nicht simuliert werden. Grüne Wasseragamen brauchen zwar keine extra Paarungsstimulanz, dennoch sollte man immer zum Ziel haben, die klimatischen Bedingungen des natürlichen Lebensraumes so gut wie möglich zu simulieren.In den immergrünen Tieflandregenwäldern gibt es keine Jahreszeiten wie wir sie kennen. Man unterscheidet nicht zwischen Sommer und Winter, sondern zwischen Trocken- und Regenzeiten. Je näher das Gebiet am Äquator ist, desto höher sind die jährlichen Niederschlagsmengen. Die beiden Regenzeiten rücken immer dichter zusammen, bis sie schließlich in unmittelbarer Äquatornähe ineinander übergehen.Von Mai bis Oktober setzt im natürlichen Lebensraum von Physignathus cocincinus der Monsumregen ein. Diese Regenzeit mit mehrfach täglichen ausgiebigen Regenfällen sollte auch im Terrarium simuliert werden - hier empfielt sich der Einsatz einer Beregnungsanlage. In kleineren Aufzuchtterrarien tut es aber auch eine normale Handsprühpumpe.

Ernährung

In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet ernähren sich grüne Wasseragamen sehr vielseitig von einem Mix aus pflanzlicher Kost, Spinnen und Insekten, Fischen, Krebstieren, Würmern, kleinen Vögeln und Reptilien. Sie überwältigen nahezu alles, was ihren Weg kreuzt.Im Terrarium ist Physignathus cocincinus ebenfalls wenig wählerisch und würde vermutlich auch nicht meckern, wenn immer nur die gleiche Insektenart auf dem Speiseplan stehen würde. Man sollte aber stets darauf achten, die Ernährung so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Es kann quasi auf das gesamte Insektenangebot des Zoofachhandels zurückgegriffen werden, denn grüne Wasseragamen fressen eigentlich alles. (Heimchen, Grillen, Wachsmaden, Schaben, Zophobas, Mehl- und Regenwürmer, Raupen, Rosenkäferlarven, Heuschrecken etc.) Die Insekten am besten vor dem Verfüttern 1 bis 2 Tage in einer separaten Faunabox ordentlich mit Obst und Gemüse anfüttern. Zusätzlich sollten die Futtertiere regelmäßig mit einem Kalzium-Mineralstoff-Präparat angereichert werden. Ausgewachsenen Wasseragamen kann außerdem hin und wieder eine nestjunge Maus oder Fisch angeboten werden. In der Literatur ist zu lesen, dass die Tiere in der Natur auch pflanzliche Kost zu sich nehmen. Bisher hat zumindest bei uns jedoch nie ein ausgewachsenes Tier Salate oder Obst angenommen.

Auf unbelasteten Wiesen (ohne Dünger, Pestizide, Autos, Industrie…) oder im eigenen Garten kann man seinem Tier in den Sommermonaten ein sehr nährstoffreiches Futter selber fangen. Unsere heimischen Insekten werden auch als Wiesenplankton bezeichnet. Sie sind reich an Nährstoffen und durch die große Artenvielfalt ein sehr abwechslungsreiches Futter. Aber egal ob in der freien Natur oder im heimischen Garten – auch bei Insekten muss auf den Artenschutz geachtet werden.Um eine Überfütterung zu vermeiden, ausgewachsene Tiere nur 2 bis 3 Mal in der Woche füttern. Sie sind durchaus in der Lage, auch Fastenperioden von mehreren Wochen zu überstehen. Das Trinkwasser muss jedoch täglich! gewechselt werden, da sich sonst sehr schnell Keime und Bakterien bilden können.